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Tafel startet Foodtruck für Kinder und Jugendliche

Vor Ort können sich Kinder und Jugendliche bald an einem Foodtruck kostenlos bedienen. Dass die Tafel dahintersteckt, soll nicht sofort auffallen.

Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein gewöhnlicher Foodtruck. „Glück ist homemade“ steht in weißen Buchstaben auf der Seite des schwarz lackierten Fahrzeugs, auf der sich die Klappe öffnet. Nur ein kleiner QR-Code unten links, der zum eigenen Instagram-Account führt, verrät den Besitzer: die Tafel Bochum und Wattenscheid.

Ab September gibt die Tafel in dem Truck kostenlose Mahlzeiten für Kinder und Jugendliche in Bochum aus. Dass das Logo nur auf der Hinterseite angebracht werden soll, hat einen Grund.

„Wenn man sich etwas zu essen bei der Tafel holen muss, ist das schnelluncool oder peinlich – insbesondere für Kinder und Jugendliche“, sagt Karen Greifenhagen, die bei der Tafel in Bochum für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist. „Wir wollten etwas schaffen, das nicht offensichtlich zur Tafel gehört und für jeden zugänglich ist.“

Mit dem Foodtruck möchte die Tafel Hürden abbauen, den Kindern und Jugendlichen die Scheu nehmen – ohne dass sie selbst nach Wattenscheid kommen müssen. „Wir wollen bewusst dahin gehen, wo sie sichwohl und zu Hause fühlen und vielleicht eher offen damit umgehen, dass sie Hunger haben“, sagt Greifenhagen.

In die Zentrale nach Wattenscheid kommen die Kinder und Jugendlichen laut Greifenhagen kaum. In der Startphase macht der Truck ab Mittwoch, 2. September, 15 Uhr, einmal pro Woche Halt am Kinder- und Jugendzentrum OT Laer – nur wenige Meter entfernt vom Lahariplatz.

Das Jugendzentrum habe in der Vergangenheit neben einigen anderen immer wieder nach mehr Unterstützung gefragt. Bislang gibt es nur Obst, Gemüse und Joghurtprodukte zur Abholung. „Daraus ist die Ideeentstanden, Kindern in Bochum mehr anzubieten“, sagt Greifenhagen.

30 Prozent der Tafel-Kunden sind jünger als 18 Jahre

Rund 11.000 Kinder und Jugendliche in Bochum wachsen nach dem Sozialatlas 2024 in Armut auf – knapp 24 Prozent. Auch die Tafel Deutschland spürt den Bedarf in der jüngeren Altersklasse: Rund 30 Prozent der Kundinnen und Kunden seien jünger als 18 Jahre, heißt es auf der Internetseite. Bei der Bochumer Tafel dürfte der Anteil junger Kunden durch das Foodtruck-Angebot bald steigen.

Als sie bei einem Förderprojekt der Tafel Deutschland den Zuschlag erhielt und einige Spenderinnen und Spender ihre Unterstützung zusicherten, war klar: Jetzt kann der Foodtruck kommen. Das Budget ist allerdings begrenzt. Die Tafel Deutschland finanziere das Mittagessen, die Mittel für den Foodtruck hätten die Sponsoren zur Verfügung gestellt. „Und wir bezahlen die Unterhaltskosten“, sagt Greifenhagen.

Eine Kiste mit Snacks und Getränken möchte die Tafel dann auch mitbringen, „damit die Kinder noch was für den nächsten Tag in der Schule haben“. Läuft es am OT Laer gut, ohne dass der Truck überlaufen ist, soll er bald weitere Stationen ansteuern. Drei andere Jugendzentren stünden schon in den Startlöchern und hätten den Foodtruck auch gerne bei sich vor der Tür stehen.

Bedienen könnten sich alle Kinder der Standorte, an denen der Truck künftig hält – unabhängig davon, wie viel Geld die Eltern verdienen oder wie sie wohnen. „Wir werden nicht sagen: Hey, dein Papa fährt einen Mercedes. Du bekommst nichts zu essen“, erklärt Greifenhagen. „Dass die Eltern ein dickes Auto fahren oder eine große Wohnung haben, bedeutet nicht unbedingt, dass die Kinder zu Hause dann auch etwas zu essen bekommen.“

Anpacken sollen die Kinder und Jugendlichen dann auch selbst. Wenn es etwa Wraps gibt, sollen die Kids das Gemüse selbst schnibbeln und die Wraps selbst belegen. „Wir wollen versuchen, sie bestmöglich einzubinden. Sie sollen das Projekt mitgestalten“, sagt Greifenhagen. Bei der ersten Station am OT Laer müssen sie aber noch nicht tätig werden. Zumal noch nicht final geklärt sei, inwiefern die Kinder und Jugendlichen vorab spezielle Hygieneschulungen absolviert haben müssen.

Am ersten Tag bleibt es simpel: Dann soll es Pizza und zum Nachtisch Eis geben, „um ihnen“, sagt Greifenhagen, „zu zeigen: ‚Hey, wir sind da und hier gibt es etwas kostenlos‘.“

Quelle: WAZ Bochum/Wattenscheid